Samstag, 24. Januar 2009

Ich bedanke mich... (kommt ja meistens am Ende eines Buches)





…bei meinen Laufstrecken, wo ich mich austoben konnte, die mich auf neue Ideen gebracht haben, die mich aufgemuntert haben. Die bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit immer neue Überraschungen für mich bereit gehabt haben. Manchmal haben sie mich auch zum Straucheln gebracht, aber so habe ich Trittsicherheit gelernt.

…bei den Bergen, die mich fast jeden Tag in der Früh von ferne gegrüßt haben – schneebedeckt, zum Greifen nahe, dann wieder kaum sichtbar in der Sommerhitze flirrend. Nur manchmal haben sie sich im Nebel versteckt. Meistens waren sie da, extra für mich, und haben mich von ferne gerufen (und ich bin diesen Rufen auch oft gefolgt!).

…bei den Hunden, die immer rechtzeitig ausgewichen sind, wenn ich gekommen bin.

…bei den Bären, dass sie meine Wanderungen nicht gestört haben.

…bei den ErzieherInnen, die mich in meiner ersten „sprachlosen“ Zeit so gut unterstützt haben, und mit denen ich später interessante Diskussionen über Erziehungsstile geführt habe.

…bei meiner Chefin Irina, die mir immer die genau für mich richtigen Aufgaben zugeteilt hat.

… bei meinen Kindern von Haus Ignatius. Sie haben mich am Anfang ganz schön fertig gemacht – mich damit aber angespornt, umso intensiver die Sprache zu lernen. Und dann waren sie meine besten LehrerInnen, die mich immer ausgebessert haben (manchmal schon sehr ungeduldig, wenn ich „avea“ und „fi“ – „haben“ und „sein“ immer wieder falsch verwendet habe).

…und natürlich auch bei allen anderen Kindern der Farm. Sie haben mir ihre Liebe und ihr Vertrauen geschenkt. Viele von ihnen haben mir die Türen zu ihrem Leben einen Spalt geöffnet und mich an unglaublichen Geschichten teilhaben lassen.

Rumänien liegt geografisch sehr nahe, in unseren Köpfen ist es sehr weit weg. Es ist ein gewöhnungsbedürftiges Land – der Wein ist zu süß, die Musik ist zu laut, das Essen muss immer rot sein, die Burschen brauchen zum Schönmachen länger als die Mädchen. Ich habe Vieles nicht verstanden, viel gefragt, viel gelernt, aber viele Fragen sind offen geblieben (da die Rumänen selber kaum etwas hinterfragen, ist es ganz schön schwierig gewesen, auf meine Fragen Antworten zu bekommen). Rumänien ist ein Land zum Verlieben. Es dauert zwar und man muss Geduld haben. Aber wenn man einmal angefangen hat Fuß zu fassen, kommt man schwer wieder weg. (Mein Rückflugticket habe ich schon gebucht.)

Aşa este…
La revedere!

Ein Rückblick







Das war eines meiner schönsten Jahre, sicher das Ereignisreichste, das Spannendste. Ich habe so viel erlebt, gesehen, gehört, gelernt, und das in so kurzer Zeit! Aber ich denke, das geht allen so, die ein Jahr bei Concordia oder anderswo machen.
Ich bin oft an meine Grenzen gestoßen, habe sie ausgelotet und erweitert. Ich habe Sachen gemacht, die ich mir nie zugetraut hätte:
Ich bin Autostopp gefahren, oft alleine. Auch einmal mitten in der Nacht mit einem älteren Herrn vom Flughafen nach Ploiesti, und wir haben irgendwo im Nirgendwo eine Reifenpanne gehabt, wir haben Reifen gewechselt, und ich habe sogar noch den Mitternachtsbus nach Aricestii erwischt.
Ich war alleine in Bukarest unterwegs, am Anfang ohne die Sprache zu können und ohne Stadtplan, und habe mich, mit einigen Umwegen, zurechtgefunden und sogar wieder heimgefunden.
Ich habe mit 17 Jugendlichen in einem „Zimmer“ in einer Jugendherberge geschlafen. Habe niemanden gekannt, und wir haben uns bestens verstanden. Waren lauter interessante Leute aus aller Welt!
Ich habe mit meinem Auto eine Reise bis ans Ende der Welt gemacht und bin wieder gut zurückgekommen.
Ich war mit dem Auto öfters in Bukarest (wo ich mich sogar in Wien vor den vielen Autos fürchte!) und habe immer einen Parkplatz in der Nähe einer U-Bahnstation gefunden (war dann schon „mein“ Parkplatz“).
Ich bin alleine mitten in der Nacht durch Bukarest gelaufen, tw. wirklich gelaufen, damit ich den letzten Bus ins Lazar erwisch, und bin dann noch ein weites Stück auf der finsteren Baustellenstraße zum Lazar gegangen.
Ich habe auf Parkbänken mit wildfremden Menschen auf Rumänisch über Gott und die Welt geplaudert.
Ich war zwar in einem kleinen Dorf „gefangen“ (das erste halbe Jahr ohne Auto), habe aber dort die interessantesten Menschen aus verschiedenen Ländern kennen lernen dürfen (Gäste und Volontäre).
Ich habe mit verschiedenen Mädels mein Zimmer geteilt und wir haben uns immer gut verstanden.
Ich habe Kinder gebändigt, ohne die Sprache zu beherrschen.
Ich habe zwei Tage mit einer Familie in einfachsten Verhältnissen leben dürfen, habe dort mit 9 Menschen in einem 12 m² großen Zimmer (mit drei Betten) geschlafen und habe drei Tage das gleiche Gewand angehabt (andere haben das vielleicht schon öfter gemacht, ich noch nie).
Ich war in den Bärenwäldern unterwegs, auf unserem Weg waren frische Bärenspuren, und wir haben nie einen Bären gesehen (und das ist besser so).
Meine Burschen verwöhnen mich, massieren mir die Schultern, wir gehen eingehängt durchs Dorf. Die Mädchen setzen sich zu mir und erzählen von ihren Schulprobleme und Liebesgeschichten. So viele kleine Kinder kommen zum Kuscheln, wann immer sie mich erwischen – Ich habe von mir gar nicht gewusst, dass ich so kuschelig bin. Und ich habe noch nie so oft „Maria, ich liebe dich“ (und das in verschiedenen Sprachen) gehört.

Es ist wirklich immer alles gut ausgegangen.
Ich konnte das alles, weil ich immer einen starken Begleiter an meiner Seite gehabt habe: Jesus. Und ich habe immer das stärkste Amulett bei mir: Mein Taufketterl. Was kann mir da schon passieren?!
Und heute und morgen werde mich auch gut verabschieden können.

Dienstag, 20. Januar 2009

Abschied nehmen





Hab gestern mein Abschlussgespräch mit Irina gehabt und unseren Wanderpokal, die Volontärskiste, gefüllt (bekommt immer der/die VolontärIn, der/die als nächstes die Farm verlässt). Abschiedshandlungen. Und das wird jetzt jeden Tag so weitergehen. Heute habe ich angefangen, mein Gewand zu verschenken. Ich will fast alles dalassen. Dann hab ich noch ein paar Fotos und andere Kleinigkeiten, die ich verteilen will.

Meine Aufgabenbereiche habe ich schon übergeben, habe meinen Nachfolger eingeschult und alles Wichtige aufgeschrieben (D+R).

In den nächsten Tagen werde ich noch viel mit den Kindern spielen und in zwei Häuser muss ich mich noch zum Essen einladen. Dann bin ich alle durch.

Ich werde mein Abschiedsfest vorbereiten und meine Abschiedsfotos in den Schaukasten hängen – und dann auch diesen Schlüssel übergeben.

Wir werden noch viel Spaß haben, aber es werden auch viele Tränen fließen.

Und ich bin neugierig, wie ich zu Hause ankommen werde.

Sonntag, 18. Januar 2009

Kurzfassung eines ereignisreichen Sonntags

Eintrag in mein Tagebuch gestern:
War heute Laufen, hab Hendl mit scharfer Schokoladesauce gekocht (mexikanisch), war am Fußballplatz fotografieren, war auf der Farm und hab den Jugendlichen Fotos gezeigt und dann den Burschen Stricken beigebracht, hab dann zu Haus Tuica fierbinte getrunken (mit Pfefferkörnern!), eine Tablette gegen Sodbrennen eingeworfen, bin leicht beschwipst und gehe jetzt schlafen.

Kultur pur


Gestern habe ich „meinen“ Burschen Kultur verordnet: Ich habe sie ins Theater eingeladen. Die waren alle noch nie im Theater, also wird´s Zeit , habe ich mir gedacht. Und auch ich wollte noch ein rumänisches Theaterstück sehen, bevor ich heimfahre.
Die erste Schwierigkeit war, herauszufinden, was wann gespielt wird. Ploiesti ist eine große Stadt, hat ein Theater, aber keinen Internetauftritt. Das Theaterprogramm war von vor Weihnachten. Also – in die Stadt fahren, beim Theater fragen, weitergeschickt zum Kartenbüro (erst finden!), die wissen nur das Programm von dieser Woche fix!!! Also zurück, meine Burschen fragen, was sie sehen wollen und wann sie Zeit haben. Mit diesen Infos wieder nach Ploiesti - Kartenbüro hat zu. Also am nächsten Tag wieder, bekomm endlich die Stücke auch vom Wochenende (am Freitag!) und kaufe die letzten 6 Karten für „D´ale Carnavalului“ von Caragiale für den nächsten Tag, Samstag (Karten kosten alle gleich viel: 12,- Lei). Zum Glück habe ich den auch schon bei den Referaten dabei gehabt, die ich gemeinsam mit den Jugendlichen aus dem Internet zusammenstelle, also habe ich gewusst, dass der Komödien geschrieben hat. Außerdem ist er ein Kind der Stadt, also perfekt für einen Theatereinstieg für meine Burschen und für mich als Abschied von Rumänien. (Ich wollte mich dann über das Stück im Internet informieren, hab da aber nicht viel gefunden, nur, dass es das meistgespielte Stück in Rumänien ist)
Die nächste Schwierigkeit war, den Burschen klarzumachen, dass sie nicht mit der Trainingshose gehen können, auch wenn sie frisch gewaschen ist. Und dann war es nicht so leicht, dass alle rechtzeitig zur Abfahrt da sind. 5:30 Abfahrt heißt nicht, um 5:30 nach Hause zu kommen und sich dann erst umzuziehen!
Was soll´s, ich habe uns rechtzeitig zum Theater gebracht. War ein lustiges Gefühl, wie ich da mit meinen großen Burschen im Theater stehe, die so etwas noch nie erlebt haben. Wie wird es ihnen gefallen? Werden sie sich halbwegs benehmen? Wird ihnen fad werden? Es waren aber noch viele andere Jugendliche im Theater, ganze Schulklassen. Und wir waren nicht underdressed, da gehen alle mit Jeans und Pullover.
Wir haben super Plätze gehabt. Und es war wirklich lustig! Ein richtiger Schwank, wo die Schauspieler ziemlich herumgeblödelt haben. Die Burschen haben sich zerkugelt, und auch ich habe alles ganz gut verstanden. Also war es ein wirklich gelungener Theaterabend für uns alle.

Mittwoch, 14. Januar 2009

Nur mehr 11 Tage!






In „meinem“ Haus versuche ich noch möglichst viel vorzuleben und hoffe, dass etwas davon auch bleibt:
Wir machen jede Woche eine Haussitzung. Da soll alles gesagt werden, was einem nicht passt, bevor die Fetzen fliegen. Und auch wenn neue Mitbewohner kommen, erleichtert das den Einstieg, wenn man gleich mitreden kann.
Ich koche immer wieder mal was Österreichisches, damit die Burschen sehen, dass es auch etwas anderes gibt, als rumänischen Eintopf (der durchaus gut ist, vor allem, wenn er mit viel Kraut gemacht ist. Aber halt nicht sehr abwechslungsreich). zB. Krautfleckerl, Dillsauce, Fischsuppe, Brokkolicremesuppe, Frittatensuppe, Brotsuppe.
Es gibt immer einen vollen Obstteller.
Wir haben gleich vom Anfang an Müll getrennt
Nach dem Essen sitzen wir beisammen und reden du führen Schmäh.
Wir fühlen uns alle sehr wohl in unserem Haus. Wir sollten auch einen neuen Namen finden. Wir haben uns auf „casa David“ geeinigt, mal sehen, ob das bleibt.
Am Wochenende haben wir auch wieder einen Ausflug in den Schnee gemacht. Diesmal nach Busteni. Dort habe ich zwei kleine Bobs gekauft, und damit haben wir eine Riesenhetz gehabt. Wir sind dann noch zu einem gefrorenen Wasserfall gewandert. Dort war ein Standl mit Kaffee und Glühwein – war eine gute Stärkung. Und dann haben wir ein Winterpicknick vor der herrlichen Bergkulisse gemacht. –War wieder ein sehr netter Tag!
Auf der Farm habe ich jetzt schon vier Abende meine Fotos mit Beamer gezeigt – und ich werde noch vier Abende brauchen, damit wir alle Bilder durch sind. Es hat immer so viel zum Fotografieren gegeben!
Ich lade mich jetzt immer in ein anderes Haus zum Abendessen ein. Ich mache Fotos von den Familien und verabschiede mich so.
Und ich übergebe meine Arbeiten an die neuen Volontäre. Ich schreibe Listen und Zusammenfassungen, damit nichts von dem, was ich begonnen habe, verloren geht. Da habe ich bemerkt, dass ich doch ganz schön viel in diesem Jahr gemacht habe.
Seit zwei Tagen habe ich einen Ohrwurm, der mich jetzt dauernd begleitet: „Could we start again“, das Lied der Maria Magdalena aus „Jesus Christ Superstar“……
Abschiednehmen ist grauslich!

Montag, 5. Januar 2009

Ein Erlebnis der besonderen Art









Ich hab am Wochenende zwei Burschen aus unserem Haus auf einen Ausflug zu ihren Familien in der Region Moldova eingeladen. Was ich da erlebt habe ist unglaublich.

Wir haben zuerst Sandu zu seiner Schwester und seinem Vater in die Gegend von Barlad gebracht. Seine Schwester wohnt seit einigen Monaten mit ihrem Verlobten zusammen und Sandu wollte seinen Schwager kennen lernen. Sie wohnen in einem kleinen Haus, zwei Zimmer mit Betten, geheizt wird erst am Abend, sonst arbeiten sie eh draußen auf ihrem kleinen Bauernhof. Klo ist eine winzige Hütte mit Loch im Boden – aber Klopapier gibt es!
Ich habe geglaubt, das gibt es nur mehr in Erzählungen, aber bei Gabara zu Hause ist es noch einfacher!

Gabaras Familie wohnt in einem Dorf in der Nähe von Roman. Und dieses Haus ist noch kleiner, das Dach ist eingestürzt, und da wohnen bis zu 8 Erwachsene und zwei bis drei kleine Kinder. Jetzt in den Ferien war das Haus eh schon voll, und dann sind noch wir zwei gekommen. Aber Platz ist in der kleinsten Hütte, und wenn mehr Personen zusammen sind, ist es wärmer. Und alles ist total windschief, alle Wände sind bucklig, es gibt keine Ecken, nur Rundungen, man glaubt, es ist ein Häuschen aus dem Zwergenreich. Und das Dach ist eingestürzt und ist mit Plastiksackerln notdürftig geflickt.

Durch die niedrige schiefe Türe kommt man in ein winziges Vorzimmer. Eine Türe führt von hier in das Zimmer, wo ein Onkel mit Familie (4 Personen, eine davon ein 3-jähriger Bub) auf 2x2 Quadratmetern wohnt (Bett, Fernseher, Stereoanlage, kleiner Kamin mit winzigem Kochplatz – gerade für Kaffee). Die andere Tür geht ins etwas größere Zimmer, ca 4x4, mit drei Betten, einem Kamin mit etwas größerer Kochstelle, ein Regal für das Geschirr, ein Kasten auf dem der Fernseher steht, ein kleiner Hocker und eine leere Kabelrolle als Sitzgelegenheiten. Hier wohnen die Großeltern, noch ein Onkel, ein Neffe, dessen Eltern in Italien sind, fallweise seine Mutter und jetzt in den Ferien war noch ein anderer Bruder mit Frau und kleinem Kind hier.

Der Fernseher läuft den ganzen Tag (wer in der Früh als erster aufsteht, dreht ihn auf, wer als letzter schlafen geht, dreht ab), die Kinder sind den ganzen Tag im Zimmer und spielen auf den Betten oder auf dem kleinen Fleckerl Boden, das in der Mitte des Zimmers frei ist, die Erwachsenen sitzen auf den Betten, plaudern und sehen nebenbei fern.

Zum Schlafen werden einfach die Polster und Decken auf die Betten verteilt und alle legen sich mit dem ganzen Gewand nieder. Es gibt ja auch keine Privaträume, um sich ungestört umziehen zu können. Wer sich waschen will, holt sich einen Becher Wasser vom Kübel und geht hinaus und wascht sich damit im Schnee.

Gekocht wird in einer kleinen Hütte im Garten. Da hängen auch in großen Plastiksäcken alles Gewand und sonstiges, was bei und halt in Kästen ist. Und getrocknetes Fleisch.
Klo ist auch hier ein Plumpsklo hinter dem Haus, aber mit Sitzbank und die Wände sind mit Plastik und Decken zugehängt, damit es nicht so reinzieht… trotzdem ist es im Winter nicht gerade kuschelig hier.

Wasser wird aus dem Brunnen hinter dem Haus geholt. Zum Essen gibt es vor allem Mamaliga (= Polenta) vom eigenen Kukuruz. Und das wird meistens mit den Fingern gegessen. Wir haben kleine Fischstücke und Spiegeleier zur Mamaliga bekommen. Und am Abend gab es eine herrliche Suppe mit viel Gemüse und Hendlhaxen.

Die erste Nacht haben wir im Haus bei der Mutter von Gabara und ihrem Lebensgefährten geschlafen. Da gibt es keinen Strom und der Ofen muss jede Stunde nachgelegt werden, sonst geht er aus. Und dann ist es sehr schnell sehr kalt, weil die Fenster einfach verglast sind.

Ich habe den ganzen Tag mit den Kindern gespielt, mit den Erwachsenen geplaudert (Wie ist es bei euch in Österreich? Wie wird das, wenn der Euro eingeführt wird?...). Das Wetter war herrlich sonnig und eiskalt. Wir waren auch einmal mit den Kindern im Dorf spazieren und Gabara hat mir die Spielplätze seiner Kindheit gezeigt. Jetzt waren die Kinder des Dorfes vor allem rodeln. Die Straßen sind ja alle schneebedeckt. Es wird kaum geräumt. Wir haben zwar die Bürgermeisterin mit dem Schneepflug fahren gesehen, aber da hat sie vor allem die Schneehaufen weggeräumt, der Schnee bleibt auf der Straße liegen. War auch recht spannend, diese steilen Straßen auf Schnee und Eis zu fahren. Bei steilen Wegausfahrten haben ich Antauchhilfe gebraucht, aber sonst habe ich mich ganz gut durch die Gegend geschleudert.

Sonntag Vormittag haben wir uns wieder verabschiedet, von vielen Segenswünschen begleitet und mit der Hoffnung, dass wir wieder kommen. – Vielleicht einmal im Sommer mit Zelt, damit ich mich auch einmal umziehen kann.

Durch eine herrliche Winterlandschaft sind wir wieder zu Sandu zurückgefahren. Dem ist es bei seiner Schwester auch gut gegangen. Wir haben dort im Dorf noch einen richtig guten Landwein in Plastikflaschen gekauft und haben uns dann auf den langen Heimweg gemacht. Rumänien ist ja riesengroß! Und eben sehr vielfältig und voller Überraschungen.

Wir haben uns zu Hause geduscht und umgezogen – aber die Familien dort in Moldova haben diesen Luxus einer Dusche nie! Und sie haben auch keinen Tisch zu dem man sich zum Essen setzen kann um „gesittet“ mit Messer und Gabel zu essen. – Nach diesem Ausflug hat sich für mich nocheinmal Vieles relativiert. Und ich bewundere diese Menschen aus ganzem Herzen, die so einfach leben und doch glücklich mit ihrem Leben sind. Sie hätten halt nur gerne ein dichtes Dach.

Für mich war es ein wunderbares Geschenk, dass ich die Fmilien dieser beiden Burschen besuchen durfte.

Donnerstag, 1. Januar 2009

revelion







Das war wirklich eine echt coole rumänische Silvesterparty in unserem Haus!
Die Kinder der Farm haben im Sportsaal Disko gemacht und Spiele gespielt und die Großen waren eben bei uns.
Meine Burschen haben alles hergerichtet: Aus dem Wohnzimmer alle Möbel hinaus, nur an der Wand einige Sessel und unser großer Tisch im Eck. Aus Hollabrunn habe ich eine Kiste voll Luftballons bekommen, da haben wir einige auch bei uns zum Dekorieren verwendet. Marin hat sich eine Musikanlage ausgeborgt und die ist mit voller Lautstärke schon den ganzen Nachmittag gelaufen. Die Rumänen müssen echt alle derrisch sein…
Ab Neun sind unsere Gäste gekommen und wir haben eigentlich die ganze Zeit zu Manele und traditioneller Musik getanzt. Zwischendurch ein bisschen gegessen (aber natürlich bei weitem nicht alles, was wir gekocht haben) und viel Bier getrunken und süßen Wein. Diese Rumänen wollen alles süß. Die Torten sind immer viel zu süß und gestern haben die Burschen ganz besonderen Wein serviert, der war so was von süß, und dann haben sie noch einen Kirschlikör gehabt, natürlich auch süß als wie. Und so zwischendurch haben sie recht viele Biere geleert. Waren aber sehr diszipliniert und haben nicht neben das Klo gespieben. Im Laufe der Nacht sind noch mehrere Jugendliche aus anderen Häusern zu uns gestoßen. Da waren dann einige von der Tanzgruppe dabei, na die können tanzen! Ich habe rumänische Tänze gelernt und habe versucht, den Burschen Walzer beizubringen.... Ihre Tänze können sie besser. Die sind so schnell mit den Beinen, dass man mit dem Schauen gar nicht mitkommt. War ganz schöner Betrieb bei uns!
Um zwei sind dann die meisten in die anderen Häuser weiter gezogen, wir haben zu dritt gleich aufgeräumt und uns noch in Ruhe ein bisschen zusammengesetzt.
War einmal was ganz anderes mit einer Horde Jugendlicher Silvester zu feiern!

Mittwoch, 31. Dezember 2008

Stimmungsbild Weihnachtsferien auf der Farm





Nach dem Weihnachtsfest sind viele Kinder zu ihren Familien gefahren, fast die Hälfte der Kinder fehlt. Und die Kinder hier genießen die Ferien: lange schlafen, am Vormittag ein bisschen für die Schule üben, dann draußen herumtollen (leider noch ohne Schnee), jeden Abend Filme anschauen und dazwischen faulenzen.

Ich versuche, den Kindern etwas Abwechslung anzubieten: Leiberln batiken, Kapperln bemalen, Eislaufen gehen, Ausflüge zum Schnee, gemeinsames Laufen, Tennis spielen, Programm in der Bibliothek, Diaabende mit allen Fotos, die ich in diesem Jahr gemacht habe.

Und ich freue mich, an den Traditionen hier teilnehmen zu können. Nach dem „Colinde-Singen“ (Weihnachtslieder) wird jetzt das alte Jahr ausgesungen. Auch da laufen die Kindergruppen von Haus zu Haus und singen, läuten mit Glocken und schnalzen mit den langen Peitschen. Überhaupt wird seit Weihnachten dauernd und überall geschnalzt. Und heute haben mich die Peitschenschnalzer um 5 Uhr aufgeweckt! Aber so konnte ich wenigstens wieder einmal in Ruhe Tagebuch schreiben.

Auch wir im Maria Magdalena genießen die freien Tage. Ich bin zwar untertags meistens auf der Farm, aber am Abend komme ich, wir essen gemeinsam und dann spielen wir (Mikado, Domino, Remy) oder schauen uns mit dem Laptop einen Film an. Echt gemütliches Familienleben.

Seit 2 Tagen wird die Silvesterfeier (revelion) groß vorbereitet. Wir haben 7 größere Jugendliche aus der Farm und drei Bekannte von Marin aus dem Dorf eingeladen. Da brauchen wir ein tolles Menü! Zuerst waren wir mit meinem Auto in der Stadt einkaufen und jetzt wird fast rund um die Uhr gekocht: Sarmale, Salat de boef; zwei Torten, und Apfelkuchen (placinta de mere). Ich steuere eine Fischsuppe aus drei riesigen Karpfenköpfen bei und einen Obstsalat. Und das gemeinsame Kochen ist ein Riesenspaß. Da rennt der Schmäh, vor allem, wenn Marin oder Madru anfangen von ihrer Arbeit zu erzählen und ihre Kollegen nachmachen.

Ich beobachte gerne die Sozialstruktur in meiner neuen Familie hier. Die fünf Burschen sind 22 und 23 Jahre alt, einer ist 28. Und zwei der 22-jährigen haben so was wie Vaterfunktionen für die anderen übernommen, nur der 28-jährige steht sehr gut alleine da, manchmal ein bisschen zu sehr über den Dingen. Auseinandersetzungen laufen dann wirklich wie in anderen Familien ab. Und ich spiele auch brav meine Rolle mit und stell mich schlichtend und schützend zwischen die Streithanseln, oder stoppe einen „Vater“, wenn er sich zu lange über eine blöde Bemerkung eines „Sohnes“ auslässt. Wenn unsere Burschen dann zu den Kindern auf die Farm kommen, sind sie alle liebevolle große Brüder und Beschützer, manchmal auch streng zurechtweisend und für Ordnung sorgend.

So, das war jetzt ein kleiner Ausflug auf die große Spielwiese der Soziologie. Ich freu ich auf unsere Silvesterparty und bin schon neugierig, wie das so wird.

Donnerstag, 25. Dezember 2008

Weihnachten in Rumänien







Das waren jetzt also meine ersten Weihnachten fern der Familie. So alt musste ich erst werden, um auch das auszuprobieren. Und es waren sehr schöne Erlebnisse für mich.

Wochen vor Weihnachte beginnen die Proben für ein Weihnachtstück mit Mami Flori. Da spielen die Kinder von ganz klein bis zu den ganz Großen die Weihnachtsgeschichte mit tollen Kostümen, die wir teilweise selber gemacht haben oder aus unseren Kleiderspenden zusammengesammelt haben. Mami Flori ist da schon langbewährte Regisseurin und die Aufführungen (einmal vor Gästen und dann am Heiligen Abend) waren ein voller Erfolg.

Die Jugend studiert immer ein traditionelles Stück ein, diesmal war das eine Geschichte von Bären und Zigeunern. Da waren schon die Proben immer eine Riesenhetz und dann natürlich auch die Aufführungen. Dieses Erlebnis kann man leiden in Bildern nie so wiedergeben, wie es war. (Ich habe auch mit meiner Kamera gefilmt, kann den Film aber am Computer nicht öffnen. Vielleicht schick ich den Film später nach…)

Dann war ich im Kindergarten bei der Weihnachtsfeier. Die Kinder waren kitschig weihnachtlich als Engel und so angezogen, haben getanzt und Weihnachtsgedichte aufgesagt und dann ist der Weihnachtmann (moş craciun) mit Geschenken gekommen. Ich war alleine als Begleiterin in der Gruppe der Großen und bin von sechs Kindern als Mami beschenkt worden! – Und habe dann auch für sechs Kinder die Geschenke tragen dürfen!

In der Schule war ich auch in einer Klasse bei der Weihnachtsfeier. Da haben die Kinder von der Farm getanzt und getrommelt. Das war eine ganz eigenartige Feier: im Klassenzimmer, wo nur die Tische hinten zusammen geschoben waren, kaum weihnachtlich dekoriert und der Boden so was von dreckig! Ganz voll mit den Schalen von den Sonnenblumenkernen, die alle immer und überall knabbern!

Dann hat es eine Weihnachtsfeier im Kultursaal von Aricestii gegeben: „vis de iarna“. Das ist eine Initiative von Concordia und da treten immer mehrere Gesangsgruppen von den verschiedenen Schulen und eben Concordiagruppen auf. Und sogar der Bürgermeister war da!

Am 22.12. gehen die Kinder alle gruppenweise zum Beichten in die Kirche (und dort stehen sie Schlange mit anderen Beichtwilligen aus dem ganzen Dorf!), und am 23.12. holen sie sich das „heilige Brot“ – so was wie unsere Kommunion, die aber auch dir Kleinen bekommen, und ein Sackerl mit Geschenken.

Am 23. am Abend ziehen unsere Kinder in Gruppen mit Erziehern durch das Dorf und singen Weihnachtslieder bei den Häusern. Und bekommen überall Zuckerln und Schokolade dafür (da sind auch wir in unserem neuen Haus mehrmals besungen worden). Was die Kinder in diesen Tagen an Schokolade essen ist unglaublich!!!
Und dann kommen die Feiern am 24.12. Da gehen wir um 18 Uhr in die festlich geschmückte Kapelle, dann wird beim bunt blinkenden Weihnachtsbaum und der großen Krippe im Freien gesungen und dann gibt es Spektakel im Saal: da treten die verschiedenen Bläsergruppen auf, die Gitarrengruppe, Kinder singen oder sagen Gedichte auf, und das Weihnachtsstück wird aufgeführt. Dann gehen alle in ihre Häuser und warten auf den Weihnachtsmann.

In unserem Haus haben wir bis 22.30 gewartet. Wir waren das letzte Haus. Auch unsere Jugendlichen hier warten ungeduldig wie die Kleinen. Wir haben dann noch mit dem Weihnachtsmann ein Glaserl Wein getrunken und dann endlich unser Festessen gegessen: Sarmale mit Mamaliga!

Und am 25.12. war dann großes Weihnachtsfest mit Liturgie mit dem Pater im COC. Von allen Seiten sind die Kinder von Concordia mir Reisebussen angereist gekommen. Der Sportsaal war gesteckt voll! Und es war eine schöne Messe mit viel weihnachtlichem Spektakel anschließend. Und ich freu mich jetzt immer, wie viele Kinder ich schon kenne, nicht nur die von der Farm!

Zwei Tage der Konzentration







Zwei Tage Karate mit Ewald Roth (was er neben vielen Staatsmeistertiteln alles gewonnen hat, steht im Internet) – das war unglaublich, mit welcher Konzentration dieser Haufen von 58 Kindern zwischen 7-22 Jahren bei der Sache war! Ewald kommt schon seit vielen Jahren 1-2x auf die Farm und macht mit unseren Kindern Karate. Und manche Kinder sind schon richtig gut! Einige haben schon orange oder gelbe Gürtel, aber auch die Kleinen mit den weißen Gürteln sind voll motiviert und ganz bei der Sache. Die Ruhe und Ernsthaftigkeit, die die Kinder da lernen, fehlt vielen halt sonst im Alltag. Aber ein bisschen was bleibt sicher immer hängen.
In den Tagen danach haben zwar einige von den größeren Mädels über Muskelkater gejammert – aber vielleicht nehmen sie das zum Anlass, sich wieder mehr zu bewegen. Viele Kinder machen zwar auch das Jahr über Karate mit einem rumänischen Trainer, aber die Großen warten immer nur auf Ewald.

Und wie immer ist Ewald nicht mit leeren Händen gekommen und hat am Schluss alle mit Weihnachtsgeschenken (Karateanzüge, Handschuhe, Blinkkulis,..) überhäuft.

Ewald ist ja nicht der Einzige, der immer wieder nach Rumänien kommt, um hier mitzuhelfen oder Abwechslung in den Alltag der Kinder zu bringen. Es ist für mich immer wieder eine Freude zu sehen, wie viele Menschen Concordia etwas von ihrer Zeit schenken oder auch Geld oder Sachen in Österreich sammeln, das dann den Kindern hier mehr Möglichkeiten eröffnet.

Neben dem Training mit den Concordiakindern macht Ewald auch noch einiges Anderes, so zum Beispiel hat er die nächste Karate-EM nach Wels geholt.
Wenn´s wen interessiert: http://www.em2009.at/

Montag, 22. Dezember 2008

Eine neue Aufgabe









Jetzt, wo ich schon ans Abschiednehmen denke, habe ich eine neue Aufgabe bekommen, die mir den Abschied von der Farm noch schwerer machen wird.

Ich bin in ein neues Haus übersiedelt, ins „Maria Magdalena“. Das liegt außerhalb der Farm, ca. 500m entfernt. Das hat einem deutschen Schwesternorden gehört und wie ich gekommen bin, haben hier die Schwester Maria aus Deutschland und Liz aus England gewohnt. Liz war Erzieherin auf der Farm und die Schwester war der gute Engel des Dorfes. Wo immer jemand Hilfe gebraucht hat, eine Familie vor dem gewalttätigen Vater flüchten musste oder kleine Kinder den ganzen Tag alleine zu Hause waren, das Haus der Schwester war für alle offen.

Jetzt war die Schwester aber schon alt und ist im September in ein anderes Ordenshaus übersiedelt – und Liz ist mitgegangen. Und die Farm hat das Haus übernommen. Und weil es für ein Haus nicht gut ist, wenn es leer steht (und überhaupt hier in Rumänien…), hat Irina die Idee gehabt, ein paar Leute von der Farm hierher zu übersiedeln. Diese Leute waren Lukas, ein Volontär aus dem Waldviertel, Walter, unser Tischler aus Wien, und eben ich. Und weil einige Burschen in einem Haus mit schimmligen Wänden gewohnt haben, haben wir die auch gleich mitgenommen.

Zuerst habe ich das Haus eingerichtet und wieder bewohnbar gemacht: Senkgrube ausleeren lassen, Heizkörper richten lassen, kaputten Eiskasten austauschen, großen Tisch und viele Sessel besorgen, kaputte Wasserhähne richten lassen,… Und dann habe ich noch einen Babyhund vor unserer Türe gefunden und gleich adoptiert. Sie heißt „Şoaretiţa“ (Mäuschen), wir rufen sie „Ratte“.

Jetzt wohne ich also mit 5 rumänischen Burschen und zwei Österreichern hier im Maria Magdalena. Wir haben jetzt einen blinkenden Christbaum im Wohnzimmer, einen Blinkstern am Balkon, viele Weihnachtsgirlanden überall im Haus, immer laute Musik (jetzt Weihnachtslieder, dann wird es wahrscheinlich wieder Manele sein), einen riesigen Hund, Blacky, der ins Gulasch kommt, wenn er wen beißt oder unsere Ratte frisst, Unmengen von Schuhen im Vorzimmer und immer volle Kochtöpfe mit Ciorba oder Eintöpfen am Herd stehen. Also volles Leben!

Wir sind eine Wohngemeinschaft, dass heißt, ich bin nicht die Erzieherin dieser Burschen, die sind für sich selbst verantwortlich. Sie machen das auch ganz super! Kochen, Putzen, kaufen ein, servieren mir das Essen (und umgekehrt). Die verwöhnen mich im Moment total. Mal sehen, wie lange diese Bgeisterung anhält.

Hier und da muss ich sie ein bißchen zur Ordung rufen, aber wir haben vor allem viel Hetz miteinander. Und ich verstehe sie!!!!

Wir haben natürlich ein Eröffnungsfest gemacht, wo dann jede Menge Jugendliche von der Farm hier waren. Ich haben Steirisches Wurzelfleisch gekocht, Rafaela einen Schokoladekuchen, dann gab es jede Menge Cola, Bier, Hauswein und richtigen Wein, Chips, Popcorn, laute Musik,… Es war ein Superfest! Alle haben versprochen bald wieder zu kommen!
Und da soll ich jetzt in einem Monat heimfahren…….

Keine Sorge, ich komme eh.

Samstag, 13. Dezember 2008

Probealarm auf der Farm







Im Sommer hat es ja einmal gebrannt bei uns. Da hat das trockene Gras irgendwo außerhalb der Farm Feuer gefangen und der Wind hat das rasend schnell verbreitet. Und dann ist das Feuer bis knapp vor unser Holzlager gekrochen gekommen, bevor wir es löschen konnten. Und das war ein ziemliches Chaos. Aber es ist zum Glück alles gut gegangen.
Und so hat unsere Leitung beschlossen, wir müssen auf ein Feuer besser vorbereitet sein. Leider hat es bis zur Umsetzung bis jetzt gedauert, und jetzt ist Winter.
Also haben wir uns gestern am Vormittag zuerst alle, mit den Kindern, in der Sporthalle getroffen, um einmal Grundsätzliches über Feuer und das richtige Verhalten bei Feuer zu hören. Inzwischen hat es draußen zu schütten begonnen. Das konnte uns nicht abhalten, dann einen Probealarm durchzuführen.
Alle in ihre Häuser. Wenn die Kapellenglocke läutet, ist Feueralarm. Wir warten angezogen bei geschlossener Türe, weil der Wind so bläst, und hören nichts. Zum Glück läuft dann einer durch, der „Feuer!“ schreit. Also stürmen wir hinaus in den Regen auf den Sportplatz. Dort wird überprüft, ob alle da sind. – Passt.
Die inzwischen patschnassen Kinder dürfen mit einigen Mamis in ihre Häuser zurück und die anderen lernen und üben weiter.
Jetzt wird der Regen langsam zum Schneeregen, ein eisiger Wind pfeift. Wir probieren Feuerlöscher aus (hab gar nicht gewusst, dass das so eine Staubwolke wird!). Und dann dürfen wir auch noch mit Wasser spielen. Wir lernen, wie man den Hydranten aufsperrt, Schlauch ausrollt, ansteckt, Wasser aufdrehen, Probespritzen. Ist total wichtig, ich hab das Alles auch noch nie gemacht. Und wir sind mit so viel Eifer dabei, dass uns der Schneeregen fast nicht stört.
Aber der nächste Probealarm soll dann im Sommer sein.
Inzwischen hat sich das Wetter entschieden, seit heute Früh schneit es!

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Staatsfeiertag









Rumänien hat seinen Staatsfeiertag am 1.12. Ich wollte wissen, warum dieses Datum. Da hat Ferdinand 1. 1918 Rumänien zu einem Staat vereinigt. Haben mir die Jugendlichen erklärt. Habe ich aber nirgends so genau gefunden.
Egal, wir haben gefeiert. Mit zwei Autos und 12 Kindern von der Farm sind wir nach Ploiesti gefahren und haben uns die Reden, die Parade von Militär und Polizei und einige Folkloredarbietungen gegeben. War recht nett, vor allem den Kindern hat es gefallen.
Die Voluntäre wollten dann noch eine rumänische Fahne klauen, die waren aber entweder zu gut bewacht oder zu hoch. Aber bis sie ihr Jahr zu Ende ist, werden sie schon noch zu einer Fahne kommen.

Sonntag, 30. November 2008

Tag der ErzieherInnen







So wie es einen Muttertag, Vatertag, Tag des Kindes, Frauentag,… gibt, haben wir auch einen Tag der ErzieherInnen – ziua educatorului. Da kommen alle ErzieherInnen von Concordia im COC (=„Stadt der Kinder“ in der Nähe von Ploiesti) zum Feiern zusammen: das war ein lustiger Abend mit Spielen, Musik, Tanzen und Essen und Trinken. Und einigen Ehrungen von besonderen ErzieherInnen und Voluntären. Und ein paar netten Worten von unseren Chefs.



Als Aufgabe hatte jedes Haus von Concordia ein anderes Haus vorzustellen. Das mussten dann die anderen erraten und hat dieses Haus auch noch ein Geschenk bekommen. Wir von der Farm mussten das Lazarvorstellen. Wir haben das als kleines pantomimisches Theaterstück gemacht. Am lustigsten waren die Proben. Wir konnten nie eine vernünftige Probe durchziehen, weil sich alle wie unsere Kinder aufgeführt haben – ziemlich blöd halt… Also war unsere Vorführung dann teilweise sehr spontan improvisiert. Aber es wurde (natürlich!) erraten und wir waren eindeutig die Besten!!!!! (nach farminterner Wertung).
Und als Geschenk haben wir Costin einen Geschenkkorb überreicht mit lauter Produkten von der Farm – und mit einem Sackerl voll mit sauberer Luft von der Farm.



Beim Tanzen habe ich endlich richtige rumänische Kreistänze gelernt! Und gleich vier verschiedene an einem Abend. Ich hoffe, ich habe bald wieder Gelegenheit, meine Tanzkenntnisse zu vertiefen, sonst merk ich mir das nicht.



Das Essen war auch hervorragend, da hat jedes Haus etwas mitgebracht: Salate, Aufläufe, Schnitzel (richtige, nicht die mit Wurst, die es immer bei uns auf der Farm gibt), und sooo viele gute Nachspeisen. Nur mit den Weinen, die es da immer gibt, kann ich mich nicht anfreunden. Die sind immer grauslich süß!



Die Stimmung war total lustig. Vor allem beim Tanzen waren alle richtig ausgelassen. Ich habe mich bei diesem Fest das erste Mal in die Gemeinschaft der rumänischen ErzieherInnen integriert gefühlt. – Spät, aber doch.

Montag, 24. November 2008

Schnee am Schwarzen Meer














Das war wieder ein Wochenende der besonderen Art. Nachdem uns der Wetterbericht von den Bergen abgehalten hat (Schnee und Sturm), sind wir diesmal in die andere Richtung gefahren, zum Meer. Da war der Wetterbericht für Samstag zwar auch sehr schlecht, aber Sonntag sollte schöner werden.
Rafaela und Maria (unsere neuen Voluntärinnen), Walter (Tischler aus Österreich) und ich als Fahrerin sind mit meinem Auto am Samstag bei strömendem Regen Richtung Meer losgezogen. Vor uns war der Himmel immer ein bisschen heller, wir haben das schöne Wetter aber nie eingeholt. Nach 4 Stunden Fahrt auch in Constanta, unserem Ziel am Schwarzen Meer, strömender Regen und Sturm.
Nach einem sehr guten türkischen Essen (die Türkei ist ja nicht weit) suchen wir uns ein billiges Hotel (Hotelul Tineretului ist sehr zu empfehlen) und streunen dann durch die dunkle, regnerische, stürmische Stadt. Ist aber trotzdem lustig. Große Wellen am Meer, die gegen die Kaimauer donnern. Kaum Leute unterwegs. Und dann hat es zu schneien angefangen! Einrichtig dichtes Schneegestöber war das! Und bald ist der Schnee auf den Autos liegen geblieben! Schnee am Meer! Faszinierend! Bis wir dann ganz durchgeweicht und halb erfroren ins Hotel zurückgewandert sind. Nach einer herrlich heißen Dusche schaut die Welt wieder ganz anders aus. Wir haben uns in der Hotelbar zwei hervorragende Flaschen Wein aus der Gegend (Murfatlar) genehmigt und Pläne für den nächsten Tag geschmiedet, der ja laut Wetterbericht sonnig werden sollte….
Und wirklich – wir wachen bei glasklarem blauem Himmel auf! Und alles ist weiß überzogen – nicht viel, aber doch weiß! Und eiskalt und stürmisch. Herzhaftes Frühstück im Hotel (verschiedene Eierspeisen mit Speck, Käse und so). Dann schaun wir uns bei Tag an, wo wir gestern im Finstern herumgestapft sind. Einsame Strände, die Wellen rollen weit hinauf. Das Jugendstilcasino am Kai wird angeblich endlich renoviert. Im Aquarium wärmen wir uns wieder auf, Aug in Aug mit recht ansehnlichen Schwarzmeerfischen. Mir gefällt Constanta sehr gut. Und im Winter haben Städte am Meer einen ganz eigenen Reiz.
Dann führe ich meine Reisegruppe nach Mamaia, der größten Hotelstadt an der rumänischen Küste. Ich war schon einmal im Sommer hier, jetzt ist alles ausgestorben, am Strand noch zwei einsame Spaziergänger außer uns. Das Wasser ist ganz klar, und so viele Muscheln am Strand, und gestrandete Quallen (die aber nicht nesseln – hab’s im Sommer ausprobiert). Leider gibt es kein offenes Kaffeehaus – es gibt eigentlich überhaupt nichts Offenes.
Weiter geht es Richtung Norden, immer am Meer entlang (oder zumindest so nahe es geht), super Straße, durch urige Straßendörfer, nette kleine Bauernhäuser, lehmverputzt. Dann ein Wegweiser zu einer Ausgrabungsstätte – Ceata Histria. Wenn wir schon in der Nähe sind, dann schaun wir uns auch das an. Durch eine Schilfebene, zwischen zwei Seen hindurch, dann auf einem kleinen Hügel am Meer die Ruinen einer antiken griechischen dann römischen Stadt, daneben ein Museum mitten in der Gegend von Nirgendwo. Beim Eingang sitzt wer, wir zahlen Eintritt. Im Museum ist es schön warm – ein tolles modernes Museum! Auch die Ausgrabungen sind super hergerichtet, überall Beleuchtung, Wege. Nur das Klo im Museum ist gesperrt. Und das Ausweichklo ist echt urarg! So ein Klo haben wir alle noch nie gesehen! Und gerade deswegen müssen wir es alle ausprobieren. Lauter Hockklos, ohne Türen, alles verrostet. Ich habe von meinem Klo aus den besten Blick auf die Ruinenstadt, einschließlich Storchennest.
Und weiter geht es nach Norden. Es hat 4°, die Sonne scheint, der Wind pfeift. Wir kommen nach Babadag (Elisabeth, ich habe an dich gedacht!). Es wird hügeliger, in den Eichenwäldern liegt viel Schnee.
Tulcea ist unser nächstes Ziel, der Donauhafen, von wo alle Donaukreuzfahrtsschiffe losfahren. Wieder kein Mensch am Kai, aber endlich ein offenes Kaffeehaus. Unser Mittagessen besteht aus je zwei Mehlspeisen und heißer Schokolade bzw. Kaffee.
Weiter geht es am Schilfgürtel der Donau entlang nach Westen. In den Dörfern sind viele Häuser mit Schilf gedeckt. Die Wasserflächen glitzern in der Abendsonne, das Schilf leuchtet rot – eine herrliche Abendstimmung!
Um 10 Minuten versäumen wir den Sonnenuntergang bei unserer Donauüberfahrt mit der Fähre nach Braila. Dann wird es schnell finster und wir finden nicht die richtige Ausfahrt Richtung Buzau. Mein Beifahrer findet dann einen „Schleichweg“ auf die richtige Straße – eine Gatschstraße mit großen Lacken, wo ich nie weiß, wie tief sie sind, tw so tiefer Gatsch, dass ich Angst habe, stecken zu bleiben, alles um uns total finster, und das fast eine Stunde lang! Ein Mann mit einer Axt mitten im Nirgendwo regt die Mädels auf den billigen Plätzen zum Gruselgeschichtenerzählen an. War recht spannend, bis wir wieder Asphalt unter den Reifen hatten.
Straße weiter sehr gut, aber total finster und sehr eng. Ich häng mich an ein flotteres Auto an und rase mit 120 km/h durch die Dunkelheit, in den Ortschaften bremsen wir uns auf 100 km/h herunter. Und so geht es über 1 Stunde lang. Dann eine größere Stadt – endlich Buzau – aber dann noch einmal so lange bis nach Ploiesti. Um 21 Uhr waren wir wieder auf der Farm – sehr müde aber es war ein super Wochenende!
Gefahrene km: 780

Freitag, 7. November 2008

Der ganz normale Wahnsinn...

Ich war wieder einmal Nachtmami in meinem Haus. Und es war wirklich lustig. Zum Glück hab ich so gute Nerven und kann mit den Kindern jetzt auch schon Schmäh führen.
Also…
Ionela macht das Abendessen – Erdäpfelsalat mit viel Gemüse – super gut! Wir gehen in die Kapelle, dann essen wir gemeinsam. Nach der üblichen Medikamentenverteilung gibt es als Nachspeise wieder einmal eine Kokosnuss. Das Aufmachen ist immer sehr spannend.
Dann wollen alle und noch mehr bei mir Deutsch lernen. Schließlich bleiben drei übrig: Mit Ionela übersetze ich einen Brief, mit Elena und Gabara über ich die Vergangenheit (Was hast du heute gemacht?). Die anderen spielen im Bubenzimmer UNO bis einer weint. Ich hau den Schuldigen hinaus. Der schmollt zuerst und zeichnet dann. Dann führt sich Josif blöd auf, ich hol ihn ins Wohnzimmer und geb ihm die Legosteine. Sandu kommt mit zwei anderen Jugendlichen und will sich auf meinem Laptop Fotos anschauen. Ionela muss noch schnell den Brief fertig eintippen. Zwischendurch wieder einige Sätze für meine 2 Lernwilligen. „ Jugendliche kommen, sie bitten um den Schlüssel zur Kommunitate, weil sie ins Internet wollen – „In 10 Minuten…“ – Diashow im Laptop einrichten. UNO-Karten einsammeln. Josif und Daniel duschen schicken („Wo ist mein Handtuch?“ „Ich hab keine Zahnbürste!“). Wieder 2 Sätze auf Deutsch – die Beiden wollen aber immer unterschiedliche Sätze, weil sie ja Verschiedenes erlebt haben. Daniel und Josif streiten in der Dusche – ich beende das Duschen, ab ins Zimmer. Die Nächste zum Duschen („Wo ist meine Zahnbürste?“). DeutschschülerInnen sind fertig, schauen such Fotos mit (neue Diashow einrichten). Ich sperr die Kommunitate für die Jugendlichen auf („Aber nur eine Stunde!“). Diashow ist fertig, Laptop wegräumen. Rahela aus der Dusche holen. Die nächsten zwei Buben (7 und 9 Jahre) sind dran. Neue Handtücher suchen. Sie rennen nackert herum und ärgern die Mädchen. Wem gehört die schmutzige Unterhose im Bad? „Dem Daniel“ – „Nein mir nicht. Dem Josif“ – „Nein, ich hab meine hier“ – „Marian?“ – „Meine liegt auf der Heizung“ – „Also doch Daniel“ – „Ja, ist doch meine“. „George tu weiter!“ Elena wartet vor der Badezimmertür und schimpft die Buben.
Mandru kommt und bringt mir zwei selbstgemachte Palatschinken. Ich werde sie morgen zum Frühstück essen.
Die Buben sind fertig, das Bad schwimmt, Elena geht mit den Socken hinein. „Wo sind deine Schlapfen?“ – „Ich fürchte mich alleine im Bad. Geh bitte mit!“ Kommt überhaupt nicht in Frage! George will eine Gesichtcreme – finde ich nicht. Marian und George rollen sich voll mit Deo-Roll-On ein.
Die Buben liegen im Bett, ich sing ihnen ein Gutenachtlied vor.
Elena ist fertig und will eine Körpercreme – hab ich nicht. Elena will Rahela aufs Klo schicken, die schlaft aber schon. – „Lass sie schlafen, ich geh später mit ihr“. Elena will jetzt den Kakao für das Frühstück machen. „Geh jetzt bitte ins Bett!!!!“
Ionela kommt und will um 5:15 geweckt werden. Ich räum meinen Laptop weg, hau die Jugendlichen aus der Kommunitate („Danke für das Internet! Gute Nacht“ – Unglaublich wie flott und nett die gehen!), hol mein Bettzeug und den Wecker.
Gerasela kommt heim, dreht im Mädchenzimmer das Licht und das Radio voll auf. Ionela faucht sie an.
Ich mach den Kakao und eine Mischung aus Halva und Margarine für´s Frühstück, räum das abgewaschene Geschirr weg, beschrifte die Essensprobe, häng die heruntergefallenen Jacken wieder auf (wir haben noch immer keine ordentlichen Haken!), mach mein Bett. Das Bad ist wieder trocken, ich geh Zähneputzen. Dann führ ich Rahela, Josif und Daniel nacheinander auf´s Klo und wieder ins Bett zurück, damit sie sich nicht verlaufen.
Im Bett schreib ich den Rapport (Josif hat keine Zahnbürste, Außenbeleuchtung ist kaputt), lerne 2 Seiten Vokabel, schreibe Tagebuch.
Es ist 23:30. Ich mag meine Kinder! Gute Nacht.

Montag, 3. November 2008

Herbstliches Rumänien










Die letzten Tage war das Wetter traumhaft schön. Fast immer über 20°, kaum Wind, die Bäume lassen ihre letzten Blätter zu Boden segeln. Und in der Ferne winken die Berge, an manchen Tagen zum Greifen nahe!


Also bin ich am Samstag wieder in die Berge aufgebrochen, diesmal mit Ionuţ, einem 13-jährigen Buben aus "meinem" Haus. Der hat sich riesig gefreut, ist herumgetollt wie ein junger Hund - vorgelaufen, überall hinaufgeklettert, und ist dann auf irgendeinem Baum oder Felsen gesessen und hat auf mich gewartet. 1 Stunde vor dem Ziel ist er mir dann eingegangen. Ich hab ihn mit Schokolade wieder auf die Beine gebracht, und dann waren wir eh bald bei den "Babele", den tollen Steinformationen oberhalb von Buşteni. Über die herrlich weiten Wiesen auf der Hochebene sind wir dann zu einem anderen Abstieg gewandert, dann durch hohe Latschenwälder und dann sehr steil wieder hinunter, immer mit Aussicht auf Buşteni tief unter uns. Dieser Weg war auch für mich neu, und auch gar nicht so leicht zu finden, aber es hat sich wieder einmal voll ausgezahlt.

Am Sonntag war ich dann alleine unterwegs, wollte einen neuen Weg mit dem Auto in ein Seitental finden - hab es nach 10km ärgste Schotterstraße aufgegeben. Ich bin dann so durch die Gegend gegondelt und bin jedem interessanten Wegweiser gefolgt. Durch Moreni, einer richtigen Zigeunerstadt: sehr viele Pferdewagen (caruţe), laute Musik aus den Häusern (die Rumänen machen immer viel zu laute Musik!), Frauen mit bunten Röcken und Kopftüchern, Männer mit schwarzen Hüten, viele Holz- und Steinlager, einige tolle risige Häuser, viele schäbige Barackenhäuser. Dann ein Stausee in traumhaft schöner Lage, überhaupt nicht ins Leben der angrenzenden Stadt integriert - nur steile Wiesenufer. Entlang der Straße verkaufen die Leute Äpfel, Birnen, Ţuica und Honig. Mittagspicknick auf eine Hügel hinter eine Nonnenkloster ganz aus Holz. Kleinlastler voll Weißkraut - die Leute kaufen das Kraut säckeweise oder füllen den Kofferraum vom Auto voll mit Kraut. Pferdewagen mit riesigen Heuladungen. Eine total kitschige Kirche, wo alle Bilder mit Leutgirlanden umrandet sind. Zur Jause ein hervorragendes "Mauserl" aus einer Konditorei. Teilweise so schlechte Straßen, dass ich Angst um mein Auto hab (dass ich mit der Bodenplatte hängen bleib), dann aber auch meine erste ganz neue Straße hier in Rumänien (immerhin 20km lang). Hügel voll mit Bohrtürmen. Die größte Stopptafel der Welt. Und immer wieder hab ich Autostopper mitgenommen - ist auch immer nett, mit den Leuten zu plaudern.

Wieder zurück auf der Farm habe ich meine drei Kleinen aus meinem Haus zu einem Spaziergang zum Fluss mit Lagerfeuer und gegrillten Schokobananen eingeladen. War ein wunderschöner Tag!!!!